Leben nach dem Tod: Eine wissenschaftliche und philosophische Spurensuche nach dem, was von uns bleibt

 

Was passiert, wenn dieses Leben zu Ende geht?

Diese Frage stellt sich jeder Mensch irgendwann – oft in einem stillen Moment: beim Blick in den Sternenhimmel, in Zeiten des Abschieds oder einfach angesichts der eigenen Vergänglichkeit.

Dieses Buch liefert keine fertigen Antworten, sondern nimmt den Leser mit auf eine verständliche Reise durch das, was Physik, Neurowissenschaft, Philosophie sowie die Religionen und Mythen der Menschheit über Sterben, Bewusstsein und ein mögliches Danach zu sagen haben – von Quantenlaboren über ägyptische Gräber und Krankenhaus-Notaufnahmen bis an die Grenzen des Universums.

Dabei trennt es konsequent zwischen dem, was wissenschaftlich gesichert ist, dem, was sich vermuten lässt, und dem, was Glaube oder Spekulation bleibt. Es bietet keine einfachen Antworten – aber eine Perspektive, die überraschender, hoffnungsvoller und tröstlicher ist, als wir es erwarten.



ISBN: 978-3-912891-28-7

Leseprobe



Eine Frage, die jeder von uns schon einmal gestellt hat

Wahrscheinlich hattest du diesen Moment schon einmal: Du liegst irgendwo entspannt herum – am Strand, im Garten, vielleicht mit einem kühlen Getränk in der Hand –, der Blick wandert in den Himmel, und plötzlich, ganz unvermittelt, taucht dieser eine Gedanke auf: Was passiert eigentlich, wenn das hier alles vorbei ist? Was wird aus „mir“, wenn mein Körper irgendwann aufhört zu funktionieren?

Die meisten Menschen schieben diesen Gedanken ziemlich schnell wieder weg. Verständlich – er ist unbequem, und an einem schönen Tag will man sich nicht unbedingt mit der eigenen Endlichkeit beschäftigen. Aber genau dieser Gedanke ist der Ausgangspunkt für dieses Buch. Die gute Nachricht vorweg: Du brauchst kein Physikstudium, keine Vorkenntnisse in Philosophie und keinen Theologieabschluss, um mitzukommen. Alles, was in den folgenden Kapiteln steht, ist so geschrieben, dass es jeder verstehen kann – egal, ob auf der Couch, im Zug oder tatsächlich am Pool.

Was dieses Buch nicht tun wird: dir eine fertige Antwort verkaufen. Es gibt Bücher, die genau das versprechen – ein Leben nach dem Tod als feststehende Tatsache, garantiert, mit Beweisen. Und es gibt Bücher, die das genaue Gegenteil behaupten: Mit dem letzten Atemzug ist alles vorbei, Punkt, keine weitere Diskussion nötig. Beide Arten von Büchern machen es sich, ehrlich gesagt, zu einfach. Die Wahrheit – soweit wir sie heute kennen – ist interessanter, verwirrender und, wie wir finden, am Ende sogar trostreicher als beide dieser einfachen Antworten.

Stattdessen nehmen wir dich mit auf eine Reise durch das, was Wissenschaft, Philosophie und die großen Religionen und Kulturen der Menschheit über diese Frage tatsächlich wissen, vermuten, hoffen und glauben. Wir werden durch Physiklabore reisen, durch ägyptische Gräber, durch tibetische Klöster, durch die Notaufnahmen moderner Krankenhäuser und bis an den Rand des beobachtbaren Universums. Und wir werden dabei sehr genau unterscheiden zwischen drei Dingen, die in vielen anderen Büchern zu diesem Thema fröhlich miteinander vermischt werden: was wir sicher wissen, was wir begründet vermuten und was reine Spekulation oder Glaubenssache ist. Diese Unterscheidung ist das Versprechen dieses Buches – und sie wird uns durch alle sieben Kapitel begleiten.

Beginnen wir dort, wo jedes menschliche Leben beginnt: mit einem winzigen Lichtblitz.

Das blaue Licht

Es gibt einen Moment, den niemand von uns erinnert und der doch jeden von uns betrifft: den Augenblick, in dem ein Leben beginnt. Seit einigen Jahren können Forscherinnen und Forscher diesen Moment unter dem Mikroskop sichtbar machen – und was sie dabei sehen, ist tatsächlich ein kurzes, bläuliches Aufleuchten.

Im Augenblick, in dem ein Spermium in eine Eizelle eindringt, setzt die Zelle eine Welle von Zink-Ionen frei – Wissenschaftlerinnen nennen dieses Phänomen „Zink-Funken“. Gleichzeitig läuft eine Calciumwelle durch die Zelle, die die Zellteilung in Gang setzt. Bindet das freigesetzte Zink an umgebende Moleküle, entsteht ein schwaches Lichtsignal im blauen Spektrum, das sich mit empfindlichen Fluoreszenzmikroskopen einfangen lässt. Entdeckt wurde dieser Effekt zunächst bei Mäuseeizellen, inzwischen gibt es Hinweise, dass er auch bei menschlichen Eizellen auftritt.

Biologisch betrachtet ist das kein Wunder, sondern Chemie: Zink-Ionen, die an fluoreszierende Moleküle binden, geben Energie in Form von Licht ab. Aber es ist eine jener Stellen, an denen die nackten Fakten der Biologie von selbst etwas Poetisches bekommen. Der Beginn eines Menschenlebens ist, ganz unabhängig davon, was man darüber glaubt, mit einem winzigen Lichtblitz verbunden. Und vom ersten Funken bis zum letzten Atemzug bleibt unser Körper das, was er von Anfang an war: eine Ansammlung von Materie und Energie, die den Gesetzen der Physik unterliegt – auch dann, wenn diese Gesetze unsere innersten Fragen nicht restlos beantworten können.

Genau mit einer dieser Fragen wollen wir dieses Buch beginnen, denn sie steht am Anfang aller anderen: Wenn am Beginn des Lebens Energie aufleuchtet – was geschieht mit der Energie, die ein Leben ausmacht, wenn es endet?

Schrödingers Katze: Tot, lebendig oder beides?

Kaum ein Gedankenexperiment ist so berühmt – und so oft missverstanden – wie Schrödingers Katze. Es lohnt sich, es einmal in Ruhe und vollständig durchzugehen, denn es bringt das zentrale Rätsel der Quantenmechanik auf den Punkt, das wir für den Rest dieses Kapitels brauchen werden.

Stell dir eine geschlossene Stahlbox vor. Darin befinden sich eine Katze, eine winzige Menge einer radioaktiven Substanz, ein Geigerzähler und eine Vorrichtung, die – sollte der Geigerzähler einen radioaktiven Zerfall registrieren – ein Fläschchen mit einem tödlichen Gift zerschlägt. Die radioaktive Substanz ist so bemessen, dass innerhalb einer Stunde eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass genau ein Atom zerfällt – ein echter quantenmechanischer Zufallsprozess, kein Würfelspiel im klassischen Sinn.

Nach einer Stunde, ohne die Box zu öffnen: Ist die Katze tot oder lebendig? Unsere Intuition sagt: Natürlich ist sie eindeutig das eine oder das andere – wir wissen es nur noch nicht. Die mathematische Beschreibung der Quantenmechanik sagt jedoch etwas anderes: Solange niemand „nachsieht“ (also eine Messung im physikalischen Sinn stattfindet), befindet sich das radioaktive Atom in einer Überlagerung – einer Superposition – aus „zerfallen“ und „nicht zerfallen“. Und da die Katze über den Mechanismus mit diesem Atom verbunden ist, würde diese Überlagerung sich – rein mathematisch – auf die Katze „übertragen“: Sie wäre, formal beschrieben, in einer Überlagerung aus „tot“ und „lebendig“, bis die Box geöffnet wird.

Erwin Schrödinger, der dieses Gedankenexperiment 1935 vorschlug, tat dies nicht, um zu behaupten, genau das passiere tatsächlich mit echten Katzen. Im Gegenteil: Er wollte zeigen, wie absurd es ist, die mathematische Beschreibung von Quantenzuständen – die für einzelne Atome hervorragend funktioniert – einfach unverändert auf Alltagsobjekte wie Katzen zu übertragen. Sein Gedankenexperiment war eine Kritik, kein Vorschlag.

Die eigentliche Frage, die Schrödingers Katze aufwirft – und die bis heute eine der großen offenen Fragen der Physik ist – lautet: Wo genau und warum endet die seltsame Quantenwelt der Superpositionen und beginnt die vertraute klassische Welt, in der Dinge entweder so oder so sind, nie beides zugleich? Bei einem einzelnen Atom akzeptieren selbst Skeptiker die Superposition – sie wurde unzählige Male experimentell nachgewiesen. Bei einer Katze (oder einem Menschen, einem Gehirn) erscheint sie absurd. Aber wo genau verläuft die Grenze? Diese Frage heißt in der Physik das „Messproblem“, und sie ist – das wird im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch wichtig – einer der Gründe, warum es bis heute *mehrere* unterschiedliche, miteinander konkurrierende Interpretationen der Quantenmechanik gibt, die alle dieselben experimentellen Vorhersagen machen, sich aber in der Antwort auf genau diese Frage unterscheiden.

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