Dann gehe ich zurück zur Terrassentür und hinein in das Haus.
Ein Esszimmer, das in ein Wohnzimmer übergeht. Rechts eine offene Küche — aufgeräumt, sauber, so normal, dass es fast schmerzt. Auf dem Wohnzimmertisch steht eine dreiviertel volle Flasche Kornbrand. Keine Gläser daneben. Und in der Ecke, das hatte ich schon durch das Fenster geahnt, steht ein kleiner Ofen.
Ich bewege mich langsam auf die Couch zu, die mit dem Rücken zu mir steht. Mein Herz schlägt schneller als es sollte. Die Couch ist leer. Ich lasse die Luft aus den Lungen. Der Kornbrand kommt mir gelegen, ich halte es für eine gute Idee, einen kleinen Schluck zu trinken. Meinen Geruchssinn betäubt das jedoch leider nicht.
Dann die Tür rechts, sie führt in einen kleinen Flur.
Ich öffne sie, und der Gestank verdoppelt sich sofort. Ich stehe still und lasse ihn kommen. Er ist stärker als im Wohnzimmer — viel stärker. Ich bin näher an der Quelle.
Der Flur ist schmal. An der Wand steht ein Kleiderständer.
Ich sehe die Jacken zuerst, bevor ich wirklich verstehe, was ich sehe. Kleine Jacken. Kinderjacken — eine in leuchtendem Gelb, eine in Dunkelblau mit einem Aufnäher, ein gestickter oranger Stern. Auf dem Boden darunter Schuhe in kleinen Größen. Turnschuhe, Gummistiefel.
Ich halte inne.
Von irgendwo oben kommt das Surren. Leise noch, aber da — ein konstantes, tiefes Summen, das ich zuerst nicht einordnen kann und dann einordne und den Gedanken sofort wieder wegdränge.
Eine Holztreppe führt nach oben.
Ich lege die Hand auf das Geländer. Das Holz ist glatt und kalt. Ich stehe dort und schaue nach oben, in den dunklen Flur des ersten Stocks, und in mir ist etwas, das nicht will. Das sagt: dreh um, geh zurück in den Van, fahr weiter, du musst das nicht wissen.
Aber ich weiß, dass ich hinaufgehen werde.
Ich steige die erste Stufe. Die zweite. Das Summen wird lauter mit jeder Stufe, und ich weiß es jetzt — Fliegen, viele Fliegen, ein ganzes Volk davon, eingeschlossen in einem Raum, der warm genug ist für sie und zu warm für alles, was dort drin liegt. Auf der fünften Stufe überkommt mich der Würgreflex, und ich kämpfe dagegen an und verliere.
Ich drehe mich zur Seite und übergebe mich über das Geländer.
Dann wische ich mir mit dem Handtuch den Mund ab, falte es um, presse es wieder an Mund und Nase. Ich denke kurz daran, was Geruch ist — dass es Moleküle sind, echte Partikel, die ich einatme, und dass diese Partikel von dem kommen, was da oben liegt. Ich höre auf zu denken und gehe weiter.
Oben. Ein kurzer Flur mit Teppichboden. An den Wänden hängen Bilder, ich schaue nur halb hin.
Die erste Tür rechts steht einen Spalt offen. An ihr hängt ein Schild mit bunten Buchstaben, handgemacht, Kinderschrift vielleicht oder die Schrift eines Elternteils, das für ein Kind schreibt: Annika.
Ich stehe vor der Tür und strecke den Fuß aus. Stoße sie auf.