Epic Fails | 99 legendäre Fehlschläge die Geschichte schrieben

Eine unterhaltsame Reise durch die größten Irrtümer, Pannen und Fehlentscheidungen der Weltgeschichte: Dieses Buch versammelt 99 wahre Geschichten, die zeigen, dass Genialität und grandioses Scheitern oft näher beieinanderliegen, als man denkt. Mit viel Humor und einem Blick für die absurden Seiten historischer Ereignisse erzählt es von spektakulären Fehleinschätzungen, technischen Katastrophen und Entscheidungen, die legendär schiefgingen. Vom versunkenen Kriegsschiff bis zu verpassten Chancen mit weltberühmten Folgen entsteht ein ebenso lehrreiches wie urkomisches Panorama menschlicher Fehlbarkeit. Ein Buch für alle, die Geschichte lieben, gerne lachen und sich gelegentlich daran erinnern möchten, dass selbst die größten Persönlichkeiten manchmal erstaunlich danebenlagen.



ISBN: 978-3-912891-22-5

Leseprobe


Es gibt Kriminelle, die monatelang akribisch planen, sorgfältig Fluchtwege skizzieren, gefälschte Pässe organisieren und penibel jeden Fingerabdruck verwischen. Und dann gibt es jene besonderen Talente wie den Mann, der im Jahr 2015 im österreichischen Linz eine Bank überfiel – und bei dieser Gelegenheit gleich seinen echten Personalausweis auf dem Schalter liegen ließ.

Richtig gelesen: seinen eigenen Ausweis. Direkt neben dem Zettel, auf dem handschriftlich und wenig kreativ stand: „Dies ist ein Überfall – Bargeld her, keine Faxen.“ Der Mann, bekleidet mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze und einer Sonnenbrille, um maximale Unauffälligkeit zu garantieren, reichte diesen Zettel der Bankangestellten mit einer Ernsthaftigkeit, die vermuten ließ, er sei ein Profi. Die Kassiererin, erfahren und stoisch gelassen, erkannte die Situation sofort und übergab dem höflichen Räuber einen überschaubaren Geldbetrag. Bis hierhin lief tatsächlich alles wie geplant. Doch dann begann das tragikomische Desaster seinen Lauf zu nehmen.

Während der Täter das Geld einsteckte, nickte er freundlich – und verabschiedete sich mit einem höflichen „Wiederschauen“. Eine gute Kinderstube, dachte die Kassiererin wohl noch, bevor ihr auffiel, dass neben dem Drohzettel auf dem Tresen ein zweites, deutlich weniger bedrohliches Dokument lag: ein gültiger Personalausweis. Darauf: ein unverkennbares Foto, vollständiger Name, Adresse, Geburtsdatum – eben alles, was ein ambitionierter Bankräuber bei seinem Fluchtplan unbedingt vermeiden sollte. Besonders amüsant: Der Ausweis wies in einer Ecke einen deutlichen Knick auf, der vermutlich davon stammte, dass der Mann das Dokument bereits einmal zuvor hektisch herausgezerrt und wieder eingesteckt hatte – nämlich an diesem gleichen Tag, wenige Stunden vor dem Überfall, als er in derselben Filiale ganz regulär ein Konto eröffnen wollte.

Die herbeigerufene Polizei brauchte nicht lange für die Ermittlungen. Nach einem kurzen Blick auf das ausgefüllte Formular und das freundliche, aber leicht dümmliche Gesicht auf dem Ausweis wusste man sofort, wohin es ging.

Und tatsächlich, kaum standen die Beamten vor der Wohnungstür, öffnete ihnen der Täter entspannt und in Hausschuhen. Er saß auf seinem Sofa, trank gemütlich Kaffee und wirkte dabei höchst überrascht, dass die Polizei so schnell auftauchte. Sinngemäß soll er den Beamten sogar gesagt haben: „Also so schnell hätt ich’s mir nicht gedacht.“

Während der anschließenden Vernehmung zeigte sich der Mann dann äußerst kooperativ. Er erklärte offenherzig, es sei ihm „nicht gut gegangen“, er habe einfach eine „schnelle Lösung“ gebraucht – was allerdings nicht erklärte, warum er den Zettel mit seinem Personalausweis praktisch zu einer vollständigen Bewerbung als „dümmster Bankräuber Österreichs“ zusammengelegt hatte. Die Höflichkeit, mit der er sich beim Verlassen der Bank noch verabschiedete („Tschüss! Schönen Tag noch!“), wurde von den Ermittlern später als Beweis für eine „beinahe entwaffnende Ehrlichkeit“ bezeichnet – auch wenn diese Ehrlichkeit wohl eher aus Schusseligkeit als aus moralischer Einsicht resultierte.

Vor Gericht sorgte der Vorfall für Heiterkeit. Selbst der Richter konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als der Staatsanwalt den Ausweis in einem Umschlag mit der Aufschrift „Tatwerkzeug“ präsentierte. Der Täter entschuldigte sich mehrfach und versicherte, die Sache sei „so nicht geplant“ gewesen – was ihm ausnahmslos alle glaubten.

Die Beute wurde beinahe vollständig sichergestellt, der Schaden ersetzt, und der Mann erhielt eine angemessene Strafe, begleitet von der Erkenntnis, dass er möglicherweise für andere Karrierewege besser geeignet wäre – etwa als höflicher Empfangsmitarbeiter oder als „Vorher“-Beispiel in Kursen für Bankraub-Prävention.

In einer kleinen Stadt irgendwo in den USA beschloss das Schulgremium, dass es Zeit für frischen Wind sei. Neues Image, neuer Name, neuer Glanz. Die alte „Jefferson Middle School“ sollte moderner klingen, inklusiver, zukunftsorientierter.

Nach langer, demokratisch schmerzvoller Diskussion fiel die Wahl auf: „Aurora Academy“. Klingt edel. Ein bisschen nach Weltraum, ein bisschen nach Eliteinternat, ein bisschen nach glänzenden Karrierechancen. Die Eltern nickten zustimmend. Die Schüler waren begeistert und posteten eifrig auf TikTok über ihre zukünftige Elite-Schule. Die Lokalzeitung schrieb begeistert: „Eine Schule zeigt Zukunft – Aurora Academy hebt ab!“

Was allerdings niemand prüfte: die Domain.

Denn während das Schulsekretariat sich noch Gedanken über das neue Schullogo, passende Acrylschilder und schicke Merchandise-Artikel machte, begab sich ein gut gelaunter IT-Mitarbeiter auf die Suche nach auroraacademy.com – um die neue, stilvolle Website aufzusetzen. Er klickte erwartungsvoll. Der Bildschirm wurde kurz schwarz. Dann… sehr bunt. Dann überaus freizügig. Und schließlich sehr, sehr nackt.

Statt Stundenplänen, Mensa-Menüs und netten Ansprechpartnern erschien eine vollwertige Pornoseite – mit dem mehr als eindeutigen Slogan: „Let us teach you a lesson.“ Aurora Academy war bereits belegt – und zwar von einer „Erwachsenenpädagogik“-Plattform der expliziteren Sorte. Hier wurde tatsächlich unterrichtet, allerdings standen ganz andere Fächer auf dem Lehrplan. Kein Bildungsangebot im klassischen Sinne, und definitiv nicht im Sinne des Elternbeirats.

Panik brach im Schulbüro aus. Die Domain war bereits seit mehreren Jahren registriert und in Betrieb. Offenbar hatte niemand vorher auch nur ansatzweise kontrolliert, ob der neue Name nicht bereits digital besetzt war – was angesichts der heutigen Realität ungefähr so schlau ist wie ein neues Auto zu kaufen, ohne nachzusehen, ob es Reifen hat.

Der Schulleiter wurde bleich, dann rot, dann wieder bleich, die Pressesprecherin verlor vorübergehend die Fähigkeit zu sprechen, und ein technikaffiner Achtklässler wurde zum inoffiziellen Helden der Stunde, weil er das Ganze zuerst entdeckt – und per Screenshot sofort an seine halbe Klasse weitergeschickt hatte, inklusive „OMG!!“-Kommentar und einer beachtlichen Sammlung lachender Emojis.

Innerhalb weniger Stunden war die Geschichte viral. Lokale Nachrichten griffen sie auf, nationale Blogs kommentierten amüsiert, irgendwann schrieben sogar internationale Tech-Portale darüber. Die Schlagzeile „Porno-Akademie statt Schul-Website: Amerikanische Middle School in peinlichem Domain-Drama“ verbreitete sich schneller als Katzenvideos. Interviews wurden geführt, Elternbriefe hektisch verschickt und der Elternabend verwandelte sich in eine Mischung aus Krisenstab und Improvisationskomödie.

Die Schule versuchte alles, um das Debakel abzuwenden: Man kontaktierte verzweifelt die Betreiber der Domain – keine Reaktion. Man bot Geld, zunächst höflich, dann etwas panischer – eiskalte Ablehnung. Man bat sogar einen lokalen Anwalt, rechtlich zu drohen – er schaute sich die Website an, kicherte höflich und erklärte diplomatisch, dass hier „wenig juristischer Spielraum“ bestehe.

Schließlich wurde resigniert beschlossen, eine etwas sperrige, aber garantiert jugendfreie Variante der Domain zu registrieren: aurora-academy-school.org.us. Ein bisschen sperrig, ein bisschen bürokratisch, aber immerhin sauber. Auf dem neuen Banner der Schulwebsite wurde vorsichtshalber ein Zusatz vermerkt: „Offiziell und garantiert jugendfrei – keine Verwechslung möglich!“

Im Schulalltag etablierte sich bald ein Running Gag: Schüler tippten demonstrativ laut auf ihre Tastaturen und fragten in ironisch-besorgtem Tonfall: „Ist das auch wirklich die richtige Seite?“ Selbst der Schulleiter schaffte es irgendwann, ein verlegenes Lächeln zu zeigen, wenn das Thema im Lehrerzimmer auftauchte.