Paranormal – Band 2: Monster, UFOs und die großen Rätsel der Menschheit

Gibt es Wesen, die sich der Wissenschaft bis heute entziehen? Verbergen sich hinter UFO-Sichtungen mehr als Irrtümer und Fehlinterpretationen? Und warum faszinieren manche Rätsel die Menschheit über Jahrhunderte hinweg?

In Paranormal – Band 2 richtet sich der Blick weg von Geistern und Spukhäusern und hinaus in die Welt der großen ungelösten Geheimnisse. Von legendären Kreaturen wie Bigfoot, dem Yeti und der Chupacabra über rätselhafte Himmelsphänomene und UFO-Berichte bis hin zu religiösen Wundern, verfluchten Objekten, Séancen und geheimnisvollen Legenden untersucht dieses Buch die faszinierendsten Fälle aus aller Welt.

Dabei geht es weder um blinden Glauben noch um vorschnelle Ablehnung. Historische Quellen, Augenzeugenberichte, wissenschaftliche Untersuchungen und psychologische Erklärungsansätze werden gleichermaßen betrachtet. Manche Rätsel verlieren dabei ihren Schrecken. Andere gewinnen ihn erst richtig. Denn je genauer man hinsieht, desto deutlicher wird oft, wie schmal die Grenze zwischen Mythos und Wirklichkeit tatsächlich ist.

Warum berichten Menschen auf verschiedenen Kontinenten von ähnlichen Wesen? Weshalb tauchen bestimmte Legenden in völlig unterschiedlichen Kulturen auf? Und was haben Menschen tatsächlich gesehen, wenn sie von Monstern, Wundern oder seltsamen Lichtern am Himmel erzählen?

Mit Humor, kritischem Blick und einer großen Portion Neugier führt Daniel van Hoogen durch 75 dokumentierte Fälle voller Geheimnisse, Spekulationen und erstaunlicher Geschichten. Einige werden Sie skeptisch machen. Andere werden Sie überraschen. Und manche könnten dafür sorgen, dass Sie heute Nacht noch einmal etwas genauer in den Himmel schauen.

Denn die Grenze zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten verschiebt sich ständig – und manchmal genügt eine einzige Beobachtung, um sie ein kleines Stück weiter zu verschieben. 



ISBN: 978-3-912891-34-8

Leseprobe

Wenn man nachts durch die einsamen, pechschwarzen White Mountains von New Hampshire fährt, stellt man sich als durchschnittlicher Autofahrer auf die üblichen Unannehmlichkeiten ein: ein plötzlicher Wildwechsel, ein schleichender Plattfuss oder das qualvolle Einschlafen der Beine. Barney Hill, ein ansonsten unerschütterlich rationaler Postangestellter, und seine Ehefrau Betty, eine engagierte Sozialarbeiterin, hatten im September 1961 allerdings ein ganz anderes Problem auf der Rückbank ihres Chevrolet Bel Air sitzen: die gähnende Leere von zwei Stunden Lebenszeit, die einfach so aus ihrem Gedächtnis radiert worden waren.

Die Hills waren eigentlich das absolute Vorzeigepaar der damaligen Bürgerrechtsbewegung – bodenständig, intelligent, psychisch stabil und denkbar ungeeignet für das Prädikat „Spinner“. Doch als sie nach einer Urlaubsreise an den Niagarafällen mitten in der Nacht nach Hause kamen, war die bürgerliche Idylle gründlich im Eimer. Barney stellte beim Blick in den Spiegel fest, dass seine Schuhe an den Kappen seltsam zugerichtet waren, als hätte man ihn über den Asphalt geschleift. Noch bizarrer war eine kreisrunde Anordnung von frischen Warzen an seinem Intimbereich. Betty wiederum blickte auf ihr Lieblingskleid, das am Saum großflächig zerrissen und mit einem merkwürdigen, rosafarbenen Pulver bedeckt war. Was immer auf der Route 3 passiert war – es hatte bleibende Spuren hinterlassen.

Da das menschliche Gedächtnis nun mal kein steriles Aufnahmegerät ist, sondern im Zustand nackter Panik die Jalousien herunterzieht, blieb die Erinnerung zunächst verschlossen. Erst als die Albträume Betty jede Nacht aus dem Schlaf rissen, suchte das Paar den geschätzten Bostoner Psychiater und Hypnotiseur Dr. Benjamin Simon auf. Er sollte die verloren gegangenen zwei Stunden aus den Tiefen des Unterbewusstseins kratzen. Dr. Simon ging davon aus, er würde ein klassisches Kriegstrauma oder eine tiefsitzende Ehekrise freilegen. Was er stattdessen auf seinen Tonbändern aufnahm, war das Fundament einer völlig neuen Popkultur.

In den darauffolgenden Monaten schrie Betty unter Hypnose die Praxis zusammen. Sie erinnerte sich an eine Straßensperre mitten im Wald, an einen gleißenden Lichtkreis und an Gestalten, die den Wagen umzingelten. Der „Anführer“ der Truppe, ein schlankes Wesen mit einer Hautfarbe wie modriger Ton, habe sie auf eine Untersuchungsliege gelegt. Intergalaktische Reisen erfordern offenbar ein extrem antiquiertes medizinisches Protokoll. Die Wesen stießen Betty eine lange, glänzende Nadel direkt in den Bauchnabel. Als sie vor Schmerz aufheulte, erklärte ihr der außerirdische Arzt via Telepathie, dass dies ein ganz normaler Schwangerschaftstest sei. Man muss sich das einmal vorstellen: Eine Zivilisation, die die physikalischen Gesetze der Raumzeit aushebelt und interstellare Distanzen spielend überwindet, reist Trillionen von Kilometern, nur um das gynäkologische Niveau eines mittelalterlichen Barbbiers anzuwenden.

Barney wiederum lieferte in seinen Sitzungen das optische Design, das bis heute jede billige Science-Fiction-Dokumentation prägt. Er beschrieb Wesen mit gigantischen, glanzlosen Augen, die sich fast bis zu den Schläfen zogen. Augen, die nicht blinzelten und direkt in seine Seele starrten. Dass Barney exakt zwölf Tage vor dieser spezifischen Hypnosesitzung eine Episode der Fernsehserie The Outer Limits gesehen hatte, in der haargenau solche Kreaturen mit XXL-Augen auftraten, verbuchte die spätere UFO-Gemeinde als kosmische Fügung. Psychologen nennen es schlichtweg Suggestion und kreative Lückenfüllung.

Während Barney auf der Liege fixiert wurde, konzentrierten sich die grauen Forscher besonders auf seine Kehrseite. Es wurde eine Spermaprobe entnommen, und man begutachtete seine Zähne mit einer Mischung aus Faszination und Ekel. Als die Aliens versuchten, Barneys Zähne herauszuziehen, scheiterten sie kläglich – Barneys Gebiss war nämlich eine Teilprothese. Das wiederum stürzte die hochentwickelten Besucher in eine tiefe intellektuelle Krise. Warum hatte die Frau feste Zähne, während der Mann seine Beißwerkzeuge einfach herausnehmen konnte? Das biologische Konzept des Alterns und des Zahnersatzes schien auf Zeta Reticuli völlig unbekannt zu sein.

Nachdem die Aliens genug von Barneys künstlichen Zähnen hatten, zeichnete der Anführer für Betty eine komplexe Sternenkarte. Betty rekonstruierte diese Karte später aus dem Gedächtnis, und jahrzehntelang bissen sich UFO-Forscher an diesem Punkt die Zähne aus, um die Heimatwelt der Entführer zu lokalisieren. Dr. Simon selbst blieb bis zu seinem Tod pragmatisch: Er war überzeugt, dass Betty die Geschichte im Schlaf erfunden hatte, um den unerträglichen Stress einer nächtlichen Fehlwahrnehmung zu verarbeiten, und dass der sichtlich gestresste Barney die Erzählung seiner dominanten Ehefrau in einer Art psychologischem Paartanz einfach übernommen hatte.

Das Ehepaar verbrachte den Rest seines Lebens im Scheinwerferlicht des paranormalen Ruhms. Betty mutierte zur unermüdlichen UFO-Jägerin, die jeden vorbeifliegenden Hubschrauber und jede Straßenlaterne im Nebel für ein baldiges Treffen mit ihren grauen Freunden hielt. Barney starb bereits 1969 an einer Hirnblutung – möglicherweise, weil der Druck, als erster offizieller Alien-Abducee der Weltgeschichte zu gelten, selbst für den robustesten Postbeamten eine Nummer zu groß war. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die erste dokumentierte Alien-Entführung der Geschichte vor allem eines war: eine verdammt schlechte Nacht für ein Ehepaar und eine verdammt gute Vorlage für Hollywood.

Das 19. Jahrhundert in Frankreich war geprägt vom harten Konflikt zwischen dem aufkommenden wissenschaftlichen Materialismus, der industriellen Revolution und dem verzweifelten Abwehrkampf der katholischen Kirche. In dieser hochexplosiven Atmosphäre erlebte das bitterarme, abgelegene Pyrenäendorf Lourdes im Jahr 1858 eine Marienerscheinung, die zur Geburtsstunde der am besten organisierten, medizinisch kontrolliertesten Wunder-Fabrik der Weltgeschichte werden sollte.

Die Hauptdarstellerin war die 14-jährige Bernadette Soubirous – ein kränkliches, asthmatisches und völlig analphabetisches Mädchen, das mit ihrer verarmten Familie in einem umgebauten ehemaligen Gefängnis, dem sogenannten Cachot, hauste. Am 11. Februar 1858 sammelte Bernadette mit ihrer Schwester an der Müllkippe von Massabielle, einer feuchten, schlammigen Grotte am Flusslauf, Brennholz. Plötzlich hörte sie ein Geräusch, das wie ein heftiger Windstoss klang, obwohl sich die Blätter der Bäume nicht bewegten. Sie blickte in eine Felsspalte und sah eine kleine, unbeschreiblich schöne Dame, die in ein schneeweißes Gewand gehüllt war, einen blauen Gürtel trug und goldene Rosen auf den Füßen hatte.

Bernadette verfiel in Trance, holte ihren Rosenkranz heraus und begann zu beten. Die Dame sprach zunächst nicht, sondern lächelte nur. Insgesamt achtzehn Mal sollte die Gestalt dem Mädchen bis zum Juli 1858 erscheinen. Die Nachricht verbreitete sich im Dorf wie eine Epidemie. Der lokale Polizeichef Dominique Jacomet vermutete sofort eine böswillige Inszenierung der klerikalen Opposition oder eine psychische Störung des hysterischen Mädchens. Er verhörte Bernadette stundenlang, drohte ihr mit Gefängnis und versuchte, sie in Widersprüche zu verwickeln. Doch das einfache Bauernmädchen blieb mit einer sturen, fast schon autistischen Gelassenheit bei ihrer Version.

Der schwärzeste Humor der Geschichte offenbarte sich bei der neunten Erscheinung am 25. Februar. Die Dame befahl Bernadette: „Gehen Sie und trinken Sie aus der Quelle und waschen Sie sich dort.“ Da in der Grotte weit und breit keine Quelle existierte, begann Bernadette mit den bloßen Händen im schlammigen, mit Tierkot kontaminierten Dreck der Müllkippe zu graben. Sie schluckte den braunen Schlamm und rieb sich das Gesicht damit ein. Die Tausenden von Schaulustigen, die sich inzwischen vor der Grotte drängten, wandten sich angewidert ab und tuschelten: „Das Mädchen ist komplett verrückt geworden. Sie frisst Dreck.“

Doch der Spott währte nur kurz. Am nächsten Tag sickerte aus dem von Bernadette gegrabenen Loch ein feiner, klarer Wasserstrahl. Innerhalb weniger Tage schwoll die Schlammgrube zu einer mächtigen Quelle an, die täglich über 100.000 Liter reinstes Bergwasser ausstieß. Als ein blinder Bergmann sich die Augen mit dem Wasser wusch und plötzlich wieder sehen konnte, und eine verzweifelte Mutter ihr sterbendes, gelähmtes Kind in das eiskalte Quellwasser tauchte, woraufhin der Junge am nächsten Morgen munter durch die Küche lief, war die Massenhysterie nicht mehr aufzuhalten. Lourdes mutierte zum Sanatorium des Vatikans.

Die katholische Kirche reagierte mit einer Genialität, die jedem modernen Großkonzern zur Ehre gereicht hätte. Um den Vorwürfen der atheistischen Wissenschaftler den Wind aus den Segeln zu nehmen, gründete die Kirche das Bureau des Constatations Médicales – eine permanente medizinische Kontrollstation direkt in Lourdes. Jeder Arzt, ganz gleich ob Katholik, Protestant, Jude oder Atheist, darf bis heute die Praxis betreten und die Patienten untersuchen. Wenn ein schwerkranker Pilger behauptet, durch das Wasser von Lourdes geheilt worden zu sein, wird er von einem internationalen Gremium aus über dreißig Professoren und Chefärzten auf Herz und Nieren geprüft. Die Kriterien sind von brutaler Strenge: Die Krankheit muss organisch nachweisbar sein (keine psychosomatischen Leiden), sie muss austherapiert und tödlich sein, und die Heilung muss augenblicklich, dauerhaft und ohne medizinische Intervention erfolgen.

Bis heute wurden über 7.000 Heilungen beim Büro eingereicht. Die Zahl der Fälle, die die medizinische Kommission nach jahrelangen Prüfungen offiziell als „medizinisch absolut unerklärlich“ deklariert hat, liegt bei exakt siebzig. Darunter befinden sich Fälle von spontan nachgewachsenen Knochenstrukturen bei Knochenkrebs und die plötzliche Regeneration von zerstörten Sehnerven. Der schwarze Humor dieses wissenschaftlichen Filters liegt auf der Hand: Die Medizin bestätigt die biologische Unmöglichkeit der Heilung, liefert damit der Kirche die perfekte Steilvorlage für das Wunder und steht am Ende ratlos vor den Akten. Bernadette Soubirous selbst hatte übrigens nichts von dem weltweiten Heilungs-Hype. Sie trat in ein Kloster ein, weigerte sich strikt, jemals selbst von dem Wunderwasser zu trinken, und verstarb 1879 mit nur 35 Jahren an Knochentuberkulose – einer Krankheit, die sie bei Tausenden anderen Pilgern angeblich geheilt hatte. Sie wurde heiliggesprochen, ihr Körper ruht bis heute unverwest in einem Glassarkophag in Nevers, und Lourdes verkauft jährlich Millionen Liter abgefülltes Quellwasser in Plastikflaschen, die die Form der Jungfrau Maria haben – die kommerziell erfolgreichste Synthese aus Heiligenverehrung und Mineralbrunnen-Logistik.

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